Produktionsdatenverarbeitung
auf dem PC
Steuerung und Überwachung des Materialflusses mit integrierter Fernwartung |
Reproduziert durch ICS mit freundlicher Genehmigung von SPS-Magazin.
Dass zur Steuerung von
Produktionsabläufen und Fördermitteln SPSen eingesetzt werden, ist
hinlänglich bekannt. Weniger bekannt sind allerdings Systeme zur
Teile-Identi-fikation und Kontrolle des Materialflusses, ohne die eine
sinnvolle Material-wirtschaft und ein koordinierter Just in Time
(JIT)-Abruf nicht denkbar ist. |
Zu
den Hauptaufgaben einer Produktionssteuerung gehört heute die Erfassung
und Verarbeitung von Daten zur Auslastung der Anlage und zur Position
der Teile im Produktionsfluss, aber auch die synchrone Bereitstellung
von spezifischen Daten zum Werkstück im Sinne eine rWerkerführung. Wenn
diese Aufgaben für eine SPS zu komplex werden, bietet sich eine
rechnerbasierte dezentrale Lösung mittels Data-Collection-Point (DCP)
an. Aber die Verfügbarkeit der Rechner muss mit denen von SPSen
mindestens vergleichbar sein. |
Fern-Wartungskonzept implementiert |
Die
I.C.S. Industrielle Automatisierungssysteme GmbH in Lehre, die seit
über sieben Jahren auf diesem Gebiet tätig ist, hat mit ihrer
Systemsoftware RTC-32 (Real-Time-Communication 32-Bit) eine
Integrations-Plattform für komplexe Fertigungsanlagen geschaffen. Die
seit über sechs Jahren bestehende Projekt-Kooperation mit dem
Informationstechnologie-Dienstleister Gedas in Mexiko zeigt die
Möglichkeiten des Systems auf. Die eingesetzte Software umfasst
einfache Anwendungen mit manueller Scanner-Erfassung, automatische
Erfassung mittels WebCam und Noteingabe, Applikationen zum Bedienen und
Beobachten, das Schreiben auf mobilen Datenspeicher-Systemen (MDS) bis
hin zu redundanten Hot-Standby-Systemen. Auf der Basis von RTC-32 wurde
erstmals auch ein umfassendes Fern-Wartungskonzept implementiert. Die
Software wurde als Embedded System entwickelt und benötigt kein
Betriebssystem. Sie kann als Basic Input/Output System-Erweiterung
(BIOS) vom Bootsektor der Festplatte, aus einem EPROM oder durch einen
Boot-Code unter DOS gestartet werden. RTC-32 lehnt sich in seiner
internen Struktur stark an das modulare ISO/OSI-Schichtenmodell an
(Bild 1). RTC-32 basiert auf dem Framework RTOS-32.
Weil die standardisierten Schnittstellen zwischen den Modulen
Hardware-unabhängig sind, können Projektierung, Codierung und Rollout
der Software innerhalb weniger Tage erfolgen. |
Das RTC-32-System umfasst außerdem: |
-
TCP/IP-Stack für ISA- und PCI-Netzwerkkarten -
Client-Server-Implementation für Telnet - Client-Server-Implementation
für FTP - für die Fernwartung der Software durch Zugriff auf das |
Dateisystem des DCP, beispielsweise zum Abruf lokaler Log-Dateien. |
|
 |
Bild 1: Die interne Struktur zeigt den modularen Charakter der Systemsoftware RTC-32 |
|
Der Zugriff kann mittels |
MD5-Verschlüsselung gesichert werden. Benutzerabhängige Privilegien
sind implementiert. - Web-Server - stellt Statusinformationen des DCP
für berechtigte HTML-Browser zur Verfügung. - SMTP-Implementation
(Simple Message Transfer Protocol) schickt Fehlermeldungen per |
E-Mail an das Wartungspersonal. - SNMP V2-Implementation - für die
Signalisierung von Fehlerereignissen parallel zur E-Mail-Übermittlung.
Da die bereits erwähnten Fernwartungswerkzeuge wie HTTP, SMTP und FTP
nur genutzt werden können, solange die Netzwerkfunktionalität des
Clients (DCP) gegeben ist, entschied man sich für eine weitere
Server-seitige Überwachung durch einen SNMP-Manager. |
Factory Manager |
Factory Manager, die Konfigurations- und Diagnosesoftware von Phoenix
Contact für Ethernet-Netzwerke im Automatisierungs-umfeld, bildet die
Benutzerschnittstelle zu SNMP als Front-End. Es verwaltet die Traps und
überwacht die Netzwerkverfügbarkeit des DCP mittels Internet Control
Message Protocol-Nachrichten (ICMP, Bild 2). Der Factory Manager zeigt
den Status der intelligenten Infrastrukturgeräte (Switches) und
Endgeräte (z.B. Industrie-PCs) an und weist außerdem auf kritische
Systemzustände hin. Von Vorteil ist es, wenn das Geräte-Netzwerk mit
Ethernet-Switches der Factory-Line-Produktfamilie von Phoenix Contact
aufgebaut ist. Dann werden die Informationen als Textmeldungen
generiert, und die Geräte können ohne Netzwerkkenntnisse adressiert und
überwacht werden (Bild 3). Fehlermeldungen gehen per E-Mail vom
RTC-32-System direkt an die Pager des Wartungspersonals. Bei einer
DCP-Installation können folgende Komponenten im Fehlerfall den
Förderfluss blockieren: |
-
Rechner - Verunreinigung der Filter und Überhitzung der CPU bei
konventionellen Systemen - der Panel-PC PPC 5315 von Phoenix Contact
arbeitet filterlos - Lüfter-Ausfall - Display-Ausfall -
Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) bei Ausfall der darin
enthaltenen Batterie - Digitales E/A-System Interbus - Scanner-Systeme
- Schreib-Lese-Systeme für mobile Datenträger - Netzwerkkomponenten. |
|
| Bild 2: Typische Konfiguration eines Data-Collection-Point mit Factory Manager von Phoenix Contact als Front End |
 |
|
Auch logische Fehler können die Funktionen der DCP-Software beeinflussen: |
-
Kommunikationsstörungen mit Host-Systemen - falsche Eingaben durch das
Bedienpersonal - fehlerhaftes Signalverhalten der Kopplung zu den SPSen
der Fördermittelsteuerung. |
Die
Software kann nicht alle Störungen verhindern, aber die frühzeitige
Erkennung und Meldung an ein Wartungsteam ermöglicht schnellere
Gegenmaßnahmen. So können Folgeschäden vermieden werden, wie zum
Beispiel Hardware-Ausfälle durch Überhitzung oder Produktionsausfälle
durch Materialstau. |
Datenerfassung und -verarbeitung am Panel-PC |
Hier
könnte der Eindruck entstehen, dass Bürorechner insgesamt
kostengünstiger sind. Bis vor kurzem wurden für DCP-Systeme aus Gründen
der Verfügbarkeit fast ausschließlich Bürorechner eingesetzt. Diese
Rechner überwachen ihre eigenen Komponenten allerdings nicht in
ausreichendem Maße und besitzen auch nicht genügend freie Steckplätze.
Im Jahr 2003 entschieden sich drei Unternehmen - Gedas-Mexico, ICS und
Phoenix Contact - gemeinsam Industrie-PCs von Phoenix Contact als
Hardware-Plattform für DCP-Installationen einzusetzen. Der Panel-PC PPC
5315 bietet neben seiner kompakten und industrietauglichen Bauweise
alle Optionen für ein Fern-Wartungskonzept. Die verfügbaren ISA- und
PCI-Steckplätze des passiven Bussystems bieten ausreichend Raum für
Erweiterungen. Phoenix Contact bietet die Panel-PCs, die als DCP
eingesetzt werden, als vorkonfektionierte Komplettlösung an. Zusammen
mit dem Industrie-PC werden alle weiteren Komponenten in ein Gehäuse
integriert. Das modulare System deckt das gesamte Anforderungsspektrum
ab - von der einfachen dezentralen Visualisierung bis zum komplexen
Zentralgerät. Dabei können Installationen mit Feldbus, Bedienelementen,
Tastatur, Koppelebene, diversen Interface-Modulen und Stromversorgungen
bis hin zur USV integriert werden. Vertrieben werden die Produkte über
das weltweite Vertriebsnetz von Phoenix Contact. Auch
Ersatzteilversorgung und Service sind auf Grund der weltweiten Präsenz
von Phoenix Contact kein Problem. |
|
 |
Bild 3: Mit dem Modular Managed Switch MMS von Phoenix Contact werden industrielle Netzwerke aufgebaut | |
Die Software überwacht die Hardware hinsichtlich Systemtemperatur,
Lüfter- und Displayfunktionalität und signalisiert Abweichungen über
SNMP-Meldungen an den Factory Manager. Eine Eigenüberwachung der
Software wird über den systeminternen "Watchdog" realisiert. Das
integrierte LCD-Display hat eine Auflösung von 1024x800 Pixel und ist
mit einem Touchscreen auf der Basis eines seriellen EloTouch
Controllers ausgestattet. Dadurch besitzt das Geräte eine verbesserte
Ergonomie. Die Basiskonfiguration des PPC 5315 beinhaltet drei freie
serielle Schnitt-stellen, COM4 für den EloTouch Controller, einen
Ethernet-Anschluss, zwei USB-Anschlüsse sowie einen
Interbus-EcoLink-Treiber für die digitale Kopplung zu den SPSen der
Fördermittelsteuerung. Diese Konfiguration, die seit Anfang 2004 im
Produktiveinsatz ist, wird künftig noch erweitert. |
Geringe Installations- und Wartungskosten |
Obwohl
diese Kombination aus Hardware und Software beim PPC 5315 erst seit
kurzer Zeit eingesetzt wird, zeichnet sich bereits ein positives
Feedback durch Anwender ab. Hervorgehoben werden dabei: |
-
Einfachere Bedienung durch intuitive Benutzerführung und Touchscreen -
Geringerer Installationsaufwand durch kompakte Bauweise - Reduzierter
Wartungsaufwand durch lüfterlose Gehäuse und dezentralen FTP-Zugriff
auf Parameterdateien - Geringere Wegezeiten durch FTP-Zugriff auf
Log-Dateien oder Statusabfrage mittels Web-Browser - Vermeidung von
Stillstandszeiten durch Fernwartung mittels Signa lisierung von
Alarmzuständen |
über SMTP und SNMP - Verbesserter Investitionsschutz durch leistungsstarke Hardware-Überwachung. |
Die
positiven Erfahrungen in Mexiko führten dazu, dass auch die
Ausschreibung für ein Automobil-Projekt in Shanghai gewonnen werden
konnte. In der ersten Ausbaustufe sind bereits sechs Installationen auf
Basis des PPC 5315 im Einsatz. Entscheidend für diesen Auftrag war auch
die Präsenz von Phoenix Contact in China, denn nur so kann ein
umfassender Support und Service garantiert werden. |
|
Autoren: Dipl.-Ing. Kai Fechner und Dipl-Ing. Oliver Kirsch
sind Mitarbeiter der Abteilung Vertrieb Automotive Group der Phoenix
Contact GmbH & Co. KG, Blomberg. Dieter W. Kuske ist
Geschäftsführer der I.C.S. Industrielle Automatisierungssysteme GmbH,
Lehre. Internet : www.phoenixcontact.de | |